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Homefront and occupation

Frauenarbeit in der Solinger Industrie während des 1.Weltkriegs

Vorgeschichte:

Die Solinger Industrie wehrte sich länger als jede andere Deutschlands vor dem Eindringen der Frauen in die Industrie.

Doch trotzdem tauchten, auch wenn sie öffentlich nicht anerkannt und gestattet wurden, im Laufe der letzten Jahrhunderte immer mehr weibliche Arbeiter in bekannten Solinger Firmen, wie Berg, Mumm, Weyersberg, Knecht oder Henckels auf. Denn viele Witwen übernahmen hinter der Hand die Geschäfte ihrer Männer. Dies war sehr schwierig, da diese Frauen nicht nur ihre manchmal bis zu 13 Kinder versorgen mussten, sondern sowohl mit Erziehungsproblemen zu Hause, als auch mit geschäftlichen Problemen und Auseinandersetzungen in der Firma zurecht kommen mussten.

Somit nahmen die Mütter für ihre Kinder den Kampf um das väterliche Erbe auf und kümmerten sich bis zu deren Übernahme sowohl um die geschäftlichen, als auch die häuslichen Pflichten. Doch nicht nur nach dem Tod der Männer standen die Frauen ihren Gatten zur Seite, auch sonst halfen sie ihnen tatkräftig.

Denn trotz der fehlenden Ausbildung war den Frauen schon Anfang des 19. Jahrhunderts der Rhythmus der Arbeit bekannt. Dies und die gelegentliche Hilfe bei schweren Arbeiten beweist einen gewissen Kenntnisstand, den die Frauen schon damals, wenn auch nicht öffentlich, besaßen. Außerdem waren die flinken und geschickten Frauenhände immer gefragter. Denn zum Putzen der Stahlwaren, zum Einpacken und Schnüren der Pakete und zum Lackieren war die weibliche Arbeitskraft nicht nur billiger, sondern auch viel effizienter. So wurden Frauen und Mädchen während des 19. Jahrhunderts aus mehr oder minder freiem Entschluss immer zahlreicher in den Solinger Betrieben.

Dies zeigen auch die Zählungen in der metallverarbeitenden Industrie Solingens von 1895 – 1913 sowohl in der Hausindustrie, als auch in den Fabriken selbst. In den Heimwerkstätten nahm die Arbeit der Frauen von 13 auf 142 Frauen, und von 1 auf 44 weiblichen Jugendlichen zu. Somit zeigte sich in 18 Jahren vor dem Krieg eine prozentuale Zunahme der Frauenarbeit von 3,01%. In den Fabriken verändert sich die Anzahl der weiblichen Arbeiter von 1895 – 1913 noch stärker. Die weibliche Arbeitskraftzunahme stieg von 165 auf 924 Frauen, von 94 auf 381 weiblichen Jugendlichen und somit von 4,56% auf 9,70%.

Women`s work in Solingen during WWI

(abstract)

In Solingen it took longer than in other parts of Germany to accept working women in a factory.

However, a considerable number of women were not only part of the labour force in well-known Solingen firms like Berg, Mumm, Weyersberg, Knecht or Henckels, but wives of the owners very often even took over as entrepreneurs when their husbands died and thus kept the business going.

In smaller firms or the typical workshops in the backyard of the family home they generally supported their husbands – very often doing skilled work without being acknowledged as skilled workers. In addition to looking after their children and their household they had to deal with conflicts with their male employees, competitors or business partners.

In 1916/17 there were only two men in the factory, but all the other workers are women. Nevertheless the women earn less money than the male workers for the same work.

Liebesgaben Versand 1915 im Saal Busch Despatch of gifts and clothes for the army and the soldiers by women in 1915.

Women wrapping parcels and writing letters to the soldiers at a factory in Solingen

Liebesgaben 1914 Women of the red cross and the patriotic women association in Gräfrath, Solingen are wrapping gift percales and writing army postals for the soldiers. Frauen des Roten Kreuzes und des Vaterländischen Frauenvereins Gräfrath, Solingen packen Liebesgaben und schreiben Feldpost für die Soldaten.

Frauenarbeit im ersten Weltkrieg in und bei Solingen

1917

Vor zwei Jahren hab ich noch Scheren verpackt, jetzt steh ich hier in dem Schleiferanzug meines Mannes an der Pliestscheibe. Vor einigen Monaten wäre das noch undenkbar gewesen. Aber seit sie die Männer an die Front holen werden wir gebraucht. Sogar die Kriegsgefangenen holen sie in die Betriebe. Im Vergleich zu denen geht es mir noch gut, ich werde immerhin für meine Arbeit bezahlt. Es ist viel weniger als das was mein Mann mit nach Hause brachte aber besser als nichts. Ich hoffe das ich vielleicht zur Heimarbeit wechseln kann, wie sein Mann sie verrichtet hat. Da bekomme ich fast so viel Geld wie die Männer vor dem Krieg. Aber hier in der Fabrik habe ich wenigstens Gesellschaft, wegen der großen Nachfrage kommen mit jedem Tag mehr Frauen. Ich glaube schon ein Drittel aller Arbeiter sind weiblich. Sie stellen ja auch immer mehr ein. Klar wir sind ja billiger, wir verdienen maximal die Hälfte von dem was ein Arbeiter an Lohn verdient.

1918

Es ist echt nicht gerecht. Ich schaffe 200 Bolzen am Tag, genauso viele wie der Dreher, der vor mir hier gearbeitet hat. Aber ich bekomme nur 3 MK pro Tag, ein Mann bekommt für die gleiche Arbeit 7 MK. Ich weiß nicht was sich die Unternehmer denken, wir müssen doch genauso unsere Familien versorgen wie unsere Männer!

Doch wenn wir uns wehren und höheren Lohn verlangen entlassen sie uns. Damit ist niemanden geholfen. Aber den Männern ergeht es auch nicht besser. Beschweren sie sich über etwas wird ihnen damit gedroht Frauen einzustellen.

Hier in dem Betrieb arbeiten schon 400 Frauen! Und nebenan sind es immerhin 100. Sie nutzen uns einfach als billige Arbeitskräfte aus. Ich denke wir sollten uns organisieren! Wir arbeiten hier genauso hart wie die Männer, Schulter an

Schulter und beschweren uns nicht. Obwohl wir viel weniger Lohn bekommen.

Ich finde wir sollten auch in die Gewerkschaften gehen, wie die Männer. Das ist nur gerecht. Und dann können wir vielleicht auch einen gerechten Lohn erreichen.

Sarah Nettelbeck, Laura Voigt, Humboldtgymnasium Solingen

Occupation of Solingen

Researched of year 9 students of the course „History/ Geography“ (Dr. Girke) of Humboldt-secondary-school in Solingen

Here is a document of the time - an excerpt from the chronical of the Elementary School “Am Rosenkamp” near our school in the part of Solingen called “Wald”. The entry on the end of WWI reads as follows:

“The end of the year 1918 confronted us with the unfortunate result of the most violent war of all: Germany, deserted by its allies, can no longer hope for a fortunate end but has to ask for an armistice.
At the same time great upheavals took place in our fatherland, which made us completely unfit for battle. An old political system doomed to failure finally collapsed. May the emerging new Germany fulfill all the hopes, that our heavily afflicted nation has put into it.
With the acceptance of the armistice on Dec. 15th 1918 British occupation forces came to Wald. Until the beginning of the Christmas school holidays (Dec. 18th 1918) we gave lessons in Rosenkamp school, from then on the rooms of our school were used for the instruction of the occupation forces.”

Image 1: British occupation troops at checkpoint “Kohlfurter Bridge” (about 1919).

The Kohlfurt Bridge, which crossed the river Wupper here in Wuppertal-Kohlfurt, had been erected for the transportation charcoal from Wuppertal-Cronenberg to Cologne. The name of the village “Kohlfurt” (coalford) refers to this use.

Originally a wooden bridge it was replaced by a bridge made of stone in 1714. It also connected the coal mines of Hattingen (Ruhr-Area) with the forges in Solingen and Remscheid that produced knives. At the beginning of 20th century that stonebridge was reconstructed as the iron bridge which still exists (image 2). From 1914 the tram No. 5 from Solingen to Wuppertal-Cronenberg crossed it. After World War I the bridge became a British checkpoint (image 1).

Image 2: The Kohlfurt Bridge in 2013.

Image 3: Marching home of German Troops in November 1918. Photo during passing the catholic secondary school in Wald.

Image 4:Former catholic secondary school in Wald – today: primary school

The memorial on cemetery “Swanstreet” in Solingen-Ohligs commemorates the soldiers killed in action in World War I and II . Another photo shows the individual tombstone of one of the soldiers killed in action. It was lieutenant of reserve Wilhelm Debusmann (1892-1916).

Image 5:Memorial at cemetery „Swanstreet“ of Solingen-Ohligs.

Image 5:Tomb war-cemetery in Solingen-Ohligs in 2013.

Researched and written by:
Jakob Burkhardt,Julia Wester, Jannis Schippau, Leon Zwanzig, Sophie Weber, Alison Beuscher, Simon Fedder, Manuel Krahl, Jana Rosenstock, Philip Schreiber, Sina Schultes, Martin Jäger, Philipp Röltgen, Tim Adamek, Lucas Farrenkothen, Lea Püttbach, Robin Sackmann, Alina Seidler, Vincent Thomas

Bildnachweis:
Die Fotos, die in diesem Beitrag verwendet werden, wurden entnommen aus: Geschichte in Solingen, Schriftenreihe des Bergischen Geschichtsvereins, Abteilung Solingen e.V., Band 1, Solingen im Ersten Weltkrieg, 1984
Sie entstammen ursprünglich dem Stadtarchiv Solingen, das freundlicherweise die Veröffentlichung im Rahmen des LVR-Projektes "Traces 1914" genehmigt hat.